Die erste Langstrecke mit meinem Twizy

Eine 240 Kilometer-Tour mit dem Twizy? Klar geht das! Mit dem Stadtflitzer kann man auch längere Ausflüge machen, man muss sich nur entsprechend vorbereiten.

Kostenlose Ladepause in Kaufbeuern beim VWEW-energie ServiceCenter. (Foto: privat)

Der folgende Beitrag stammt von Gerd Ahrendt: Seit gut neun Monaten ist er ein stolzer und zufriedener Renault Twizy-Fahrer mit rund 5.000 km auf dem Tacho.

„Twizy ist kein Auto sondern eine Lebenseinstellung“, heißt eine Facebook-Gruppe. Stimmt. »Kein Auto« ist den Fahrzeugpapieren zu entnehmen (der Twizy ist als Leichtfahrzeug L7e eingestuft). Das mit der »Lebenseinstellung« muss man jedoch buchstäblich selbst erfahren. Spätestens seit meiner Wochenendtour zum Bundes-Twizy-Treffen ins 240 Kilometer entfernte Hallbergmoos bei München, verstehe ich die Begrüßung »Willkommen bei den Bekloppten«.

Im Freundes- und Bekanntenkreis – allesamt Verbrenner-Fahrer (auch Stinker genannt) – wurde mein Plan nur mit Kopfschütteln aufgenommen. Und als bekannt wurde, dass die Fahrt rund 14 Stunden dauert, gab's jede Menge Spott und hämische Bemerkungen. Nur zwei Beispiele: „Der Fernbus braucht höchstens zweieinhalb Stunden nach München.“ - „Ups, so lang brauch' ich ja noch nicht mal nach Rügen.“

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Zum Bundes-Twizy-Treffen muss man natürlich mit dem Twizy, auch wenn man dafür 240 km bewältigen muss. (Foto: Privat)

E-Mobilisten sind wesentlich toleranter. Bei der ersten Ladepause gab's nach zwei Stunden Probleme mit dem Schuko-Anschluss. Die Besitzerin der Ladestation, eine Zoe-Fahrerin, kam am frühen Morgen, um ihre Zoe für mich auszustöpseln. Dank Typ2-auf-Schuko-Adapter konnte ich das »Volltanken« fortsetzen und einen netten Plausch gab's auch noch.

Da ich meinen Twizy meist nur im 20-Kilometer-Radius fahre, habe ich trotz der gut 4000 km auf dem Tacho noch nicht so viel Routine, um die Reichweite stets verlässlich einzuschätzen. Deshalb habe ich im Allgäu eine zusätzliche Ladepause bei einem Landwirt eingelegt. Dass ich mit einer gewöhnlichen Schukosteckdose zufrieden bin, hat sowohl den Junior- als auch den Seniorbauern überrascht.

In Dachau kam ich an der Ladestation mitten in der Stadt ins Gespräch mit einem Urlauberpaar. Der Mann hatte schon mal eine Probefahrt mit einem Twizy gemacht und stellte viele Fachfragen. Und die Frau war überglücklich, als sie mal hinterm Steuer Platz nehmen durfte.

Auf der Rückfahrt streikte die Ladestation in Obermeitingen. Der freundliche Grieche direkt daneben, bei dem ich schon auf dem Hinweg Station gemacht hatte, stellte mir bereitwillig seine Steckdose samt Verlängerungskabel zur Verfügung.

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Auch wenn es Probleme beim Laden gab, es fand sich immer eine Lösung und vor allem hilfsbereite Menschen. (Foto: Privat)

Fazit: Mit dem Stadtflitzer kann man auch längere Ausflüge machen. Als E-Mobilist muss man sich nur etwas vorbereiten. Unverzichtbar ist z. B. die Routenplanung mit GoingElectric. Ein Smartphone als Routenplaner für unterwegs und die NewMotion-Ladekarte gehören ebenfalls zur Grundausstattung.

Die Fahrt von Meckenbeuren nach Hallbergmoos im Überblick:

04:50 Abfahrt nach Isny (45 km)
05:55 Ladepause bei Gärtnerei Gutmair (kostenlos)
08:30 Weiterfahrt nach Marktoberdorf (53 km)
Unterwegs »kalte Füße« bekommen wegen Reichweite und zusätzliche Ladepause bei einem freundlichen Landwirt im Allgäu eingelegt (30 Minuten)
10:30 Ankunft in Marktoberdorf
Ladepause beim Landratsamt (kostenlos)
11:30 Abfahrt nach Kaufbeuren (13 km)
Ladepause beim VWEW-energie ServiceCenter (kostenlos)
13:05 Abfahrt nach Obermeitiungen (41 km)
14:05 Ladepause bei Gaststätte Bürgerhaus (innogy eRoming - kostenlos)
16:30 Abfahrt nach Dachau (58 km)
17:45 Ladepause an E-Bike-Ladestation (kostenlos)
18:25 Abfahrt nach Hallbergmoos (28 km)
19:15 Ankunft am Ziel – nach 238 km Gesamtstrecke

Die Rückfahrt von Hallbergmoss nach Meckenbeuren:

12:15 Abfahrt nach Dachau
13:00 – 13:40 Ladepause in Dachau
15:15 Ankunft in Obermeitingen
Ladestation streikt, aber der freundliche Grieche im Restaurant nebenan lässt mich an seine Steckdose und stellt mir auch ein Verlängerungskabel zur Verfügung. Ich nutze die Ladepause für ein leckeres Mittagessen.
17:45 Abfahrt nach Kaufbeuren
18:50 – 19:15 Ladepause, Weiterfahrt nach Marktoberdorf
19:40 Ladepause, Stadtbummel
21:20 Weiterfahrt nach Kempten – zuvor Route kurzfristig geändert und die lange Etappe nach Isny in zwei kleinere Stücke via Kempten geteilt
21:50 Ankunft in Kempten (28 km)
Ladepause an E-Bike-Ladestation
22:40 Abfahrt nach Isny (26 km)
23:25 Ladepause
00:50 Abfahrt nach Meckenbeuren
01:55 Ankunft am Ziel


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