Mein erstes Mal – total elektrisierend

Was für eine Erfahrung: Einsteigen, Startknopf drücken, »Strom« geben. Fast lautlos segle ich die Straße entlang, das Fahrgefühl begeistert und wirkt irgendwie entschleunigend auf mich.

Ja, es ist ein Golf und ja, er fährt fast lautlos. Nur Kenner erkennen den e-Golf auf den ersten Blick.

Aber stille Wasser sind nicht nur tief, sondern auch schnell: Ich unterschätze die Kraft des e-Golfs, weil der Motor nicht aufheult. Ich höre lediglich den Wind, das Geräusch der Reifen und ein Surren, wenn ich ordentlich ins Pedal steige. Ich nehme interessierte, wenn nicht zu sagen verblüffte Blicke von Passanten wahr. Ja, es ist ein Golf und ja, er fährt fast lautlos. Sein Geheimnis? Der Elektroantrieb. Elektromobilitätsinteressierte wissen es sofort, ein Blick auf die Nummerntafel oder auf die e-Golf-Plakette verrät es. »Kenner« erkennen ihn auch an der Dekorblende im Frontbereich, die ihm von dem GTE unterscheidet.

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Die optischen Erkennungsmerkmale des e-Golfs: das grüne Kennzeichen, die e-Golf Plakette und für Fortgeschrittene die Dekorblende mit schwarzen Lack, die ihn vom Golf GTE unterscheidet.

Einsteigen und wohlfühlen
Vorsichtig taste ich mich aus der Tiefgarage, »segle« über den Ring der Wiener Innenstadt und genieße den spritzigen Antrieb. Der e-Golf ist mit seinen 136 PS und 290 Nm ein Kraftpaket: Von 0 auf 100 km/h in 9,6 Sekunden. Ich beschränke die Geschwindigkeit bewusst, obwohl die Restreichweite aktuell 223 km beträgt. Notwendig hat man es im neuen e-Golf aber nicht mehr, denn die Reichweite hat sich nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) im Vergleich zum Vorgängermodell von 190 auf 300 km erhöht. Im Praxistest wird klar, dass sich die reale Reichweite im Bereich von 200 km bewegt, dies wird auch vom Hersteller so angegeben. Beim »normalen« Fahren liegt der Verbrauch bei etwa 15 kWh pro 100 Kilometer, fährt man gemütlicher oder eben bewusster, kann man mit 13,5 Kilowattstunden rechnen. Die Gesamtkapazität der Batterie liegt bei 35,8 kWh, beim Vorgängermodell waren es 24,2 kWh.

Wie fahre ich eigentlich effizient?
Natürlich ist hier die Erfahrung der beste Ratgeber, aber für alle – wie auch für mich – die noch aus keinem Erfahrungsschatz schöpfen können, hat sich VW eine spielerische Variante einfallen lassen. Der »Think Blue. Trainer.« führt den Fahrer an eine effiziente Fahrweise heran. Im »Blue Score« können je nach Fahrweise bis zu 100 Punkte erreicht werden, wenn man auch nur ansatzweise spielerisch angehaucht ist, versucht man so viele Punkte wie möglich zu erreichen. Auch andere Systeme, wie der Reichweitenmonitor oder verschiedene Fahrmodi (Normal, eco und eco+) unterstützen das effiziente Fahren.

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Mit dem Think Blue. Trainer. hat man die Möglichkeit, sich in spielerische Weise eine energieeffiziente Fahrweise anzueignen.

Energie rückgewinnen lässt sich durch die Rekuperation. Im e-Golf sind mittels Automatik-Wählhebel vier verschiedene Stufen wählbar: Mit der ersten Stufe lässt es sich wunderbar »segeln«, während es bei Stufe drei schon zu einer stark spürbaren Bremsung kommt, das Maximum stellt der B-Modus dar, den ich an steilen Abfahrten genutzt habe. Ein bisschen Übung und man braucht das Bremspedal so gut wie gar nicht mehr und erfreut sich, wenn während der Rekuperationsphasen der blaue Kreis größer wird und somit signalisiert, dass die Batterie nachgeladen wird.

Mittlerweile wird es warm im Auto – Außentemperatur 27 Grad. Als ich die Klimaanalage einschalte, staue ich nicht schlecht: Die Restreichweite wird sofort um 20 Kilometer verringert, ohne dass ich auch nur einen einzigen Meter gefahren bin.

Infotainment par excellence
Mein Smartphone klingelt – Zeit, es mit dem e-Golf zu verbinden. Ich stoppe bei der nächsten Möglichkeit. Tippe am 9,2 Zoll großen Display auf das Telefon und verbinde es via Bluetooth mit dem Auto. Ein kurzer Gegencheck mittels Sicherheitspin und schon sehe ich auf dem Display all meine Kontakte. Ich fahre weiter und rufe den verpassten Anrufer per Sprachsteuerung zurück.

Route oder neuen Radiosender suchen? Hier kann ich aus verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten wählen, per Knopfdruck am Lenkrad, Touch aufs Display, Sprach- oder Gestensteuerung. Während der Fahrt hat sich für mich die Sprachsteuerung als beliebte Methode erwiesen, auch wenn mein e-Golf mich nicht immer gleich verstanden hat. Das Cockpit (Active Info Display) ist digitalisiert und kann individuell auf Wunsch des Fahrers eingerichtet werden.

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Auf dem 9,2 Zoll großen Display hat man alles im Überblick.

Beim Einparken kommt mir sofort der Einparkassistent zu Hilfe. Beim Zurückschieben erscheint auf dem Bildschirm eine großzügige Aufnahme von dem, was sich hinter mir abspielt. Leider werden in der Rückfahrkamera nicht die Lenkbewegungen angezeigt, die Linien bleiben starr.

Mit einem guten Gefühl steige ich aus dem Auto, die erste Fahrt ist abgeschlossen – ein tolles Fahrgefühl, das nach mehr schreit…

Wie viele Café Latte kann ich trinken?
Übers Navigationssystem suche ich nach Ladestationen in meiner Umgebung und bin überrascht, wie viel mir hier angeboten wird. Ich stelle aber fest, dass es sich bei vielen Ladepunkten um Schuko-Steckdosen handelt. 17 Stunden würde die Ladung dauern, wenn der Akku komplett leer ist, aber auch die Hälfte der Zeit wäre sogar mir, als bekennende »Café Latte-Fetischistin«, zu viel. Letztlich entscheide ich mich für eine Ladestation (22 kW) von Smatrics auf der Brünner Straße in Wien. Kurz bevor ich die Ladesäule erreiche, taucht plötzlich, wie aus dem nichts, ein Renault Zoe auf. Nein, oder? Der schnappt mir jetzt sicher die Ladesäule weg! Zum Glück sind zwei Ladepunkte verfügbar.

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Reger Andrang bei der Ladestation auf der Brünner Straße in Wien. So wird die Zeit für den Wochenendeinkauf doppelt sinnvoll genutzt.

Na dann, wieder eine Premiere: Kabel aus dem Kofferraum, mit der Ladekarte »einchecken«, Kabel anstecken und los geht’s. Ein anerkennender Blick des Zoe-Fahrers, als würde er sagen: „Man merkt zwar, dass du zum ersten Mal lädst, aber dafür schlägst du dich ganz gut.“ Na ja, eigentlich auch kein Problem, die Ladestation sagt einem Schritt für Schritt, was zu tun ist. Bei einer Restreichweite von 160 km wird es zwei Stunden und 20 Minuten dauern, bis der Akku voll ist. Umgerechnet in Café Lattes wären das optimistisch gesehen vier Tassen. Nach eineinhalb Stunden (ein Café Latte und eine kleine Shopping-Runde) kehre ich zurück. 55 Minuten würde der Ladevorgang noch benötigen, so lange kann ich jetzt nicht mehr warten.

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Einmal schnellladen, bitte!

Für die nächste Ladung habe ich die Schnellladestation mit 50 kW ebenfalls von Smatrics in Stockerau gewählt. Die Station verrät den Ladestand von 16 % und prophezeit eine Ladedauer von 50 Minuten. Einen Café Latte und ein »Tratscherl« mit einer Freundin später ist er auch schon vollgeladen. 300 km Restreichweite, nachdem ich die Klimaanlage aktiviere, sinkt diese augenblicklich auf 270 km.

Verbrauchsbeispiele:
Strecke A verläuft zum Teil auf Landstraßen und durch kleinere Ortschaften.
Strecke B verläuft zum Großteil auf Landstraßen (80 km/h), einem Teilstück auf Autobahn (130 km/h), kleinere Orte und ist mit kleinen Steigungen und Gefällen gespickt.
Strecke C »Fahrt ins Büro« verläuft auf Landstraßen und im Stadtgebiet.

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Mein persönliches Fazit:
Ein Golf eben :) Wer ein Auto aus der VW-Familie fährt, wird sich hineinsetzen und wohlfühlen. Die Verarbeitung im Innenraum wirkt hochwertig und das Auto ist prinzipiell sehr komfortabel. Der große Bildschirm ist übersichtlich und durch die Sprachsteuerung bzw. die Knöpfe am Lenkrad lässt sich alles gut bedienen, ohne den Blick von der Straße nehmen zu müssen. Der e-Golf ist für meine Anforderungen auf jeden Fall alltagstauglich. Die Rückfahrkamera finde ich nicht optimal gelöst, hier würde ich mir eine Anzeige wünschen, die »mitlenkt«. Ich persönlich bin kein Klimaanlagen-Fan und benötige diese nur sehr selten, aber auch den Liebhabern rate ich, eher bedacht mit ihrem Einsatz umzugehen.

Da es sich um meine erste Fahrt mit einem Elektroauto handelt, kann ich noch keinen Vergleich zu anderen Fahrzeugen herstellen.

Technische Daten:
max. Leistung: 100 kW/136 PS
max. Drehmoment: 290 Nm
Energiekapazität: 35,8 kWh
max. Ladeleistung (AC/DC): CCS (7,2 kW 1p/40 kW)
Reichweite NEFZ: 300 km
Reichweite praxisnah: 200 km
Verbrauch: 12,7 kWh/100 km
Ladedauer:
                     AC Netzkabel 2,3 kW (0 auf 100 %): 17 h
                     AC Wallbox 3,6 kW (0 auf 100 %): 10 h 50 min
                     AC-Wallbox 7,2 kW (0 auf 100 %): 5 h 20 min
                     DC, CCS-Ladestation 40 kW (0 auf 80 %): 45 min
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beschleunigung (0 – 100 km/h): 9,6 sek
Abmessungen L x B (ohne Spiegel) x H: 4,270 x 1,799 x 1,482
Luftwiderstandsbeiwert (cw): 0,281
Gepäckraum: 341- 1231l
Leergewicht: 1615 kg
Preis: ab € 38.690,00 in Österreich; ab € 35.900,00 in Deutschland

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