Potenzieller Nächster?

Elektromobilität ist ein vieldiskutiertes Thema, bei dem sich die »Geister scheiden«. Warum ich mich doch für ein Elektroauto entschieden habe, ist schnell erklärt.

Den Kraftstoff für das eigene Auto selbst produzieren. Eine Photovoltaik-Anlage und eine Stromtankstelle machen es möglich.

Nun ist es soweit, mein geliebtes Auto hat den Geist aufgegeben. Fast zwölf Jahre lang hat es uns sicher zur Arbeit und in den Urlaub gebracht. Vollbeladen war es ein unentbehrlicher Begleiter bei zwei Umzügen und unsere Kinder haben wir nach der Geburt damit nach Hause geholt.

Gut, da muss ich jetzt wohl durch. Jetzt heißt es, einen würdigen Ersatz finden. Was ich mir so vorstelle? Gute Frage, mit der Größe und den Pferdestärken meines alten Autos war ich ganz zufrieden. Eigentlich brauche ich es nur, um die Kinder zu chauffieren, in die Arbeit zu düsen, den Einkauf zu erledigen und für gelegentliche Kurztrips mit den Mädels.

Dann kam mir eine Idee: Wir überlegen schon seit Längerem, uns eine Photovoltaikanlage anzuschaffen, um unseren Strom selbst zu erzeugen. Da wäre doch ein Elektroauto ideal und ich könnte gleich zu Hause »tanken«. Leise, umweltfreundlich und optisch sind die meisten auch recht schick, also warum nicht? „Über das können wir dann in zehn Jahren reden, wenn die Technik ausgereift ist“, so die Reaktion meines Mannes. Ist das wirklich so? Sind Elektroautos tatsächlich noch nicht alltagstauglich? Ich habe doch erst kürzlich gelesen, dass am Ausbau des Ladenetzes fleißig gearbeitet wird. Fakt ist auch, dass im Zeitraum zwischen Jänner und Mai 2016 mit 1.600 um knapp 1.000 Elektroautos mehr angemeldet wurden, als das im selben Zeitraum des Vorjahres der Fall war. 

Mit dem Elektroauto kommt man nicht weit…
Ja, das höre ich immer wieder, aber ehrlich: Wer fährt denn an einem Tag im Normalfall eine ganze Tankfüllung leer? Warum man sich beim Elektroauto so sehr auf die Reichweite versteift, ist mir ein Rätsel. Um die 200 km sind mit vielen der momentan am Markt befindlichen Elektroautos kein Problem mehr. Also den Trip von Wien in die »Therme Stegersbach« schaffen wir allemal. Und es ist ja auch nicht so, dass der Strom von einem Moment auf den anderen einfach weg ist. Wie ich aus verschiedensten Testberichten herauslesen konnte, wird man mehrmals und vor allem zeitgerecht hingewiesen. Bereits bei der Abfahrt wird ersichtlich, ob die geplante Route mit der »Tankfüllung« zu schaffen ist oder nicht. Sollte der Weg nicht ohne Zwischenladung möglich sein, kann man sich auch eine Route mit Lademöglichkeiten vorschlagen lassen. Ihr findet das mühsam? Also jetzt mal Hand aufs Herz, ist es euch nicht auch schon passiert, dass ihr ein oder zwei Tankstellen ignoriert habt, weil es davon ja eh reichlich gibt und dann kam sehr lange keine mehr? Mir ist es schon passiert, dass ich wortwörtlich mit dem letzten Tropfen in die Tankstelle gerollt bin. Mit dem Elektroauto plant man das dann einfach besser.

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Tankstellen für Elektroautos sind platzsparend und kommen in jeder Garage unter.

… und die hängen mehr am Strom, als sie auf der Straße sind!
Das könnte mir eigentlich egal sein, wenn ich selbst stolze »Tankstellenbesitzerin« bin. Ich kann jederzeit tanken und über Nacht geht sich das locker aus. Aber ganz so tragisch ist es nicht, wie böse Zungen behaupten. Erstmal gibt es Schnellladestationen, da bekommt man das Auto bereits in einer halben Stunde weitgehend voll. Das heißt, nach einem Kaffee oder einem schnellen Schuhkauf, kann es schon weitergehen. Aber Achtung – zu häufiges Schnellladen bekommt dem E-Mobil nicht, da empfiehlt sich eher der »Schongang«. Der nimmt dann schon – je nach Ladeleistung – ein paar Stunden in Anspruch.

Ich sage »Ja«
Fein finde ich auch die gebotenen Förderungen. In Österreich beispielsweise sind Elektroautos von der NOVA befreit, auch die motorbezogene Versicherungssteuer entfällt. Viele Versicherungen gewähren einen Nachlass für Elektrofahrzeuge und in einigen Gemeinden gibt es noch spezielle Zusatzförderungen. Ich denke jedoch, dass es sich beim Elektroautofahren eher um eine Lebenseinstellung handelt. Man setzt damit ein »Statement«. Daher ist es für mich fix, ich werde mir ein E-Mobil anschaffen. Ja, ich will zu den Vorreitern zählen und meine Erfahrungen mit anderen teilen. Ich möchte zum Umweltschutz beitragen und unabhängig sein.

Mir ist natürlich auch klar, dass die Voraussetzungen bei mir ideal sind: Für die Strecken, die ich im Normalfall zurücklege, werde ich mit der Reichweite sicher kein Problem haben. Da wir bald stolze Besitzer einer Photovoltaikanlage sind, ist das Elektroauto eigentlich ein »Must-have«.

Damit sich mein Mann nicht ganz so überrumpelt fühlt, werden wir für längere Strecken natürlich sein Auto nehmen, damit er beruhigt ist. 

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